90 Jahre Siedlung Wensenbalken in Hamburg-Volksdorf

 Teil 3 - Wensenbalkener Köpfe - Margarethe Brunckhorst

  Exemplarisches aus dem "WENSENBALKEN-ARCHIV"
  ein Beitrag von Jens Koegel

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WENSENBALKENER KÖPFE

3. Margarethe Brunckhorst (1893 -1986)

Längst nicht so bekannt, aber wenigstens ebenso rührig wie Karl Barkmann war Margarethe Brunckhorst. Eigentlich aus dem Baltikum stammend, schloß sie sich ebenfalls früh der Jugendbewegung an. Diese Lebensform gab vielen gesellschaftlichen Bereichen neue Anstöße, vor allem auch dem künstlerischen Ausdruck in Tanz und Musik. Marga Brunckhorst war hochmusikalisch und unermüdlich bestrebt, ihre Neigungen über den Rahmen ihrer großen Familie hinaus in die Siedlung Wensenbalken zu tragen. Der von ihr 1927 gegründete Frauensingkreis blieb bis weit in die 60er Jahre lebendig. Zwei Dokumente mögen Bedeutung und Atmosphäre dieses Chores, der sich anfänglich „Die Nachtigallen", später selbstkritisch als „Krähenchor" titulierte, verdeutlichen. Erna B., die als Autorin eines sog. „Hausbuches" – heute im Archiv des SPIEKERs – ihrerseits eine Rolle als Chronistin der Siedlung spielte, schrieb anlässlich des 30. Jubiläums des Singkreises.:

„Am 9.Dezember 1957 wurde im Waldherrenhof das 30jährige Jubiläum des Wensenbalkener Frauensingkreises unter Frau Brunckhorst gefeiert. Zwar haben sich die „Nachtigallen" im Laufe der Zeit selber in „Krähen" umgetauft, aber was an diesem Abend gesungen wurde, war noch einmal aus der Nachtigallenzeit. Es war ein Brahms-Abend. Der Singkreis sang das „Ave Maria" auswendig und mit schlichter Innigkeit. Unsere Nachtigall, Helmtrud Waßmann, geb.Brunckhorst, sang die schönsten Brahms Lieder mit ihrer warmen, vollen Stimme in ihrer großen Einfachheit, wie „Ich ruhe still im hohen, grünen Gras," und – mit der Mutter zusammen – „Die Meere" und „Die Schwestern". Frau Brunckhorsts Bruder, Herr P., erzählte uns von der Musik im Elternhaus, die sie schon in der Wiege hörten und von Frau Brunckhorsts musikalischem Werdegang.

Beim Schimmer der roten Adventskerzen an gemütlichen Kaffeetischen hörten wir dann noch aus der Chronik des Singekreises von E.B. Drei Etappen sind da: die Gründungszeit um das Volkslied, Umrahmung der Feiern der Frauenschaft durch unser Terzett, Gertrud G., Marga Brunckhorst, Resi W. und das Wiederaufblühen vor 8 Jahren mit neuer Freude am alten und modernen Lied, Volks-und Kunstlied.

Der Singkreis ist in allen diesen Zeitläufen dergleiche geblieben, wie seine Leiterin Schicksalen und allen Menschen gegenüber, die zu uns kamen, die gleiche blieb. Herr D. dankte Frau Brunckhorst, daß ihr Singkreis eine Heimat wurde auch für die Frauen, die in der Notzeit zu uns zogen. An manches Lied von den 307 Liedern erinnerten wir uns, und sangen sie froh und dankbar."
(Wensenbalken Mitteilungen Nr. 2, Dezember 1957).

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Frau Hildegard L., ebenfalls langjähriges Chormitglied, hielt in einem Brief folgendes fest:

„Während des Krieges wurde nicht gesungen, aber gleich nach Kriegsende kam der Chor wieder zusammen. Wohnraum war knapp, da stellte Bäcker W. seine Backstube zur Verfügung. Es war warm dort und duftete herrlich nach frischem Brot. Als die Wohnverhältnisse sich besserten, haben wir in privaten Wohnungen gesungen, u.a. längere Zeit bei Familie St.. Nun sind wir seit längerer Zeit bei Frau Th. zu Gast.

Frau Brunckhorst ging inzwischen nach Poppenbüttel ins Altersheim und – um die Verbindung zu ihr nicht abreißen zu lassen - fuhr der Chor noch 1 x monatlich hin, um mit ihr zu singen. 94-jährig ist sie dort gestorben.

Wir sind jetzt ein winziges „Chörchen", singen aber immer noch zusammen."

Soeke Brunckhorst, ein Sohn von Frau Marga, eher dem ironisch-humoristischem Stil zuneigend, hat in seinem „Rundgesang auf die Kriegerheimstätten-Siedlung Wensenbalken", anlässlich eines geselligen Zusammenseins der Siedlergemeinschaft nach der Melodie „Freut euch des Lebens", eine musikalische Kleinstchronik der Siedlung verfasst, deren eine Strophe lautet:
„Der Mensch in Waldeseinsamkeit
hat starken Hang zur Gemeinsamkeit.
Er gründet gerne Vereine
Zwecks singen im Mondesscheine"

Wie schön zu wissen, dass die Liebe zur Musik nicht ausgestorben ist im Wensenbalken. Der dort seit 6 Jahren angesiedelte „Wensenbalken Chor" trifft sich regelmäßig zu gemeinsamem Singen und wird seine Sangeskünste u.a. durch Neubelebung eines Teiles des Repertoires der „Nachtigallen" im Sommer dieses Jahres auf einem zentralen Platz der Siedlung zu Gehör bringen.

(Fotos: Wensenbalken Archiv mit Genehmigung der jeweiligen Rechteinhaber)

Fortsetzung: Wensenbalkener Köpfe - Hildegund Bobsien ...

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