Die Waldarbeiterkaten

  Die Waldarbeiterkaten
  Ein Beitrag von Heiz Waldschläger ...


waldarbeiterkaten-02 

 

Im Sommer 1999 mussten die WaIdarbeiterkaten einer bahnhofsnahen Wohnbebauung weichen. Sie sind so vorzeitig geräumt worden und haben eine so lange Zeit leer gestanden, dass sie schließlich wiederholt von Obdachlosen als Schlafstätte genutzt wurden. In einigen Jahren wird sich kaum noch jemand an diese kleine Häuserzeile erinnern; sie dürfte sodann genauso in Vergessenheit geraten sein, wie heute schon ihre Entstehungsgeschichte. Nur gut, dass es das Staatsarchiv Hamburg gibt, wo man vergangenen Zeiten nachspüren kann. In der Akte Abt. 111-1 Senat CI.IV Lit. Nr. 1 Vol. 3a Fasc. 32 sind die einschlägigen Unterlagen zu finden.

In dem für die Bürgerschaft gefertigten Senatsantrag Nr. 39 vom 9. Februar 1906, "betreffend den Bau von Arbeiterwohnungen für die Forstarbeiter in Volksdorf" , heißt es: "Laut Bericht des Oberförsters hat es sich als wünschenswert herausgestellt, dass für einige Arbeiter, die ständig von der Forstverwaltung beschäftigt werden, Wohnungen staatsseitig beschafft werden, da es in Volksdorf an Wohnungen zu entsprechenden Preisen fehlt und es nicht im Interesse der Forstverwaltung liegt, wenn die Arbeiter in weiterer Entfernung auf preußischem Gebiet ihre Wohnung suchen."

Wie man sieht, sind die Probleme von einst geblieben, nämlich die Bemühungen der Stadt Hamburg eine Abwanderung ihrer Bürger ins Umland zu verhindern, um sich möglichst viele Steuereinkünfte zu sichern.

Es sind damals zwei Doppelhäuser "in unmittelbarer Nähe der Dienstwohnung des Oberförsters auf dem dem Staate gehörenden Terrain am sog. Meiendorfer Redder, (dem heutigen Meiendorfer Weg) nebst kleinen Nebengebäuden für Hühnerstall, Abort etc., für je 8.000 Mark errichtet worden. Jede Wohnung bestand aus Küche, zwei Zimmern und einer Kammer". Unter Zugrundelegung einer den Verhältnissen angepassten Miete errechnete man eine drei bis vier prozentige Verzinsung des Kapitals.

 

waldarbeiterkaten-01

Es war zur damaligen Zeit ein großer Wohnkomfort, dass die ansonsten einfach ausgestatteten Häuser dank des E-Werks am heutigen Volksdorfer Wochenmarkt bereits mit elektrischem Licht ausgestattet waren. Das Wasser musste allerdings noch von der Pumpe auf dem Hofplatz geholt werden. Und im Wohnzimmer stand ein gusseiserner Ofen und in der Küche ein Kochherd. Es wurde zwar nicht mehr mit Torf geheizt, sondern mit Briketts und Klobenholz. Letzteres war sorgfältig unter dem Dachvorsprung an den Wänden der sog. Nebengebäude gestapelt. In den dortigen Räumlichkeiten wurden die Briketts sowie die Gartengeräte uvm. gelagert. Es handelte sich jedoch in der Hauptsache um Stallungen nicht nur für die vorerwähnten Hühner, sondern auch für die Kaninchen, das Schwein und für das Schaf oder die Ziege.

 

waldarbeiterkaten-03

Da sich im Laufe der Jahrzehnte auch bei den Waldarbeitern der Lebensstandard entscheidend geändert hatte, haben die Häuser einen kleinen Vorbau mit Windfang und einem Badezimmer einschließlich der Toilette erhalten. Die Ställe sind von den Bewohnern meistenteils irgendwann in Garagen umfunktioniert worden.

waldarbeiterkaten-04

Dem Bauantrag beigefügt war ein Lageplan, der zeigt, wie einsam und unmittelbar am Waldrevier die Oberförsterei und die Waldarbeiterhäuser gelegen haben. Lediglich das ehemalige Erholungsheim Bethanien war schon vorhanden. Eingezeichnet ist auch die Strecke der zwei Jahre zuvor eröffneten Kleinbahn.

Heinz Waldschläger

  • v-behr.jpg
  • vj.jpg
  • club65.jpg
  • malschule-volksdorf.jpg
  • spieker.jpg
  • kkw.jpg
  • parkresidenz_alstertal.jpg

sooo-gross-450x250

  • albertinen-330x230-90.jpg
  • waldgeist.jpg
  • kunstkate.jpg
  • begegnungsstaette_bergstedt.jpg
  • denkendenken-330x238.jpg
  • ctis.jpg
  • plattdeutsche_kulturtage.jpg

vj seite 1

Zum Seitenanfang